In diesem Blogpost möchte ich dir einen Überblick über den Begriff „Mental Load“ geben. Was ist Mental Load? Warum sind hauptsächlich Mamas davon betroffen und welche Auswirkungen kann Mental Load haben?

Definition und Herkunft

Wenn du den Begriff Mental Load gerade eben das erste mal gehört hast, wirst du dich vielleicht als erstes fragen, „Mental was?“ So ging es mir zumindest.

„Ähm,.. noch mal bitte!“

Mental LOAD!“

Vielleicht fragst du dich jetzt ob das ein neues Modewort ist und warum es (schon wieder) auf englisch ist. Die wörtliche Übersetzung ins Deutsche lautet: Mentale Belastung oder freier übersetzt „Gedankliche Aufladung“, wobei mir die freiere Übersetzung besser gefällt.

Der Begriff Mental Load wurde 2017 verstärkt durch einen französischen Comic der Autorin Emma geprägt. Hier ein kleiner Auszug davon*:

Zum Beispiel beim Einkaufen an der Kasse:

Mental Load beim Einkaufen

 

Mental Load beim Einkaufen

 

Oder nach dem Essen:

Mental Load nach dem Essen

*Dieser Comic ist zuerst auf Französisch erschienen; übersetzt hat ihn Mara Löffler; den deutschen Text in die Zeichnungen übertragen hat Gregor Weichbrodt.

 

Emma brachte mit ihrem Comic über Mental Load, den Stein ins rollen. Mittlerweile haben zahlreiche Mama- und Familienblogs und diverse Printmedien das Thema aufgegriffen und einen Artikel darüber geschrieben. Zum Beispiel Patrizia unter „Das Nuf“ bekannt, für mich ist sie diejenige die das Thema im deutschsprachigen Raum am prägnantesten publik gemacht hat. Die liebe Laura thematisiert Mental Load auch regelmäßig auf ihrem Blog. Auch der Artikel der Süddeutschen Zeitung ist dazu sehr lesenswert.

Was ist Mental Load?

Doch was ist jetzt nun dieser Mental Load? Wie du vielleicht oben bei den Comics von Emma schon erkennen konntest, geht es zum einen um die Vielzahl an unsichtbaren Gedankengängen die wir Mamas tagtäglich haben. Ich möchte nicht ausschließen, dass es auch den ein oder anderen Papa gibt, besonders bei Alleinerziehenden, dem es ähnlich geht. Jedoch habe ich bis jetzt nur Mamas kennengelernt, die sofort mit dem Kopf nicken, wenn ich davon erzähle.

Es gibt noch einen zweiten Punkt und dieser hängt damit zusammen, dass wir uns Mamas für alles, aber wirklich für ALLES verantwortlich fühlen.

Mental Load Verantwortlichkeit

Ich vergleiche das auch gerne mit einem CEO (dem obersten Geschäftsführer) einer Firma, der für alles die Verantwortung trägt. Wir Mamas müssen daran denken, was, wann, wer zu tun hat um unser „Familien Business“ am Laufen zu halten. Jetzt stell dir bitte noch vor, du als CEO würdest die meisten Aufgaben alleine ausführen. Was meinst du wie lange das in einer Firma gut gehen würde?

Dabei geht es um, die Verantwortung für das Daily Business, also für die Alltagsplanung, Terminkoordination und auch um „Sonder-Projekte“, wie Weihnachten, Jahresurlaub, Kindergeburtstag, Familienausflug, usw.

Als Beispiel, habe ich einmal versucht von zwei unterschiedlichen Themen, die dazugehörigen Aufgaben, die alle geplant, organisiert und durchgeführt werden müssen, aufzulisten. Bitte nagele mich nicht auf Vollständigkeit fest. Ich bin mir sicher, die ein oder andere Aufgabe vergessen zu haben – Welcome Mental Load 😉

Essensplanung

Sommerurlaub

Warum sind hauptsächlich Mamas von Mental Load betroffen?

Ob wir Mamas diese CEO-Rolle im Blut haben, ob sie uns in der Wiege untergejubelt wurde, ob wir es uns bei unseren Eltern so abgeschaut haben oder ob wir es uns durch jahrelange Übung selbst beigebracht haben, könnte eine wunderbare Doktorarbeit füllen. Ich bin jedoch der Meinung, dass es eine Mischung aus allen Punkten ist. Ich glaube wir Mamas haben den inneren Drang unsere Herzensmenschen immer glücklich und gesund zu sehen, wir können es einfach nicht ertragen, wenn einer unglücklich ist und wir womöglich daran etwas ändern könnten.

Vielleicht müssen wir uns auch ehrlich fragen, ob wir diesen Job als Familienmanagerin überhaupt abgeben wollen oder uns diese Position auch manchmal gut tut und sogar Spaß macht. Das alles in Kombination mit jahrelanger Übung, Vorleben der Eltern, geprägt durch unser soziales Umfeld, den sozialen Medien und nicht zu vergessen der Werbung, endet in unserem Perfektionismus oder negativ ausgedrückt in einem Kontrollbedürfnis, das diese gedanklichen Kettenreaktionen auslöst – und schon sind wir bei Welcome Mental Load.

 

Auswirkungen von Mental Load im Familienalltag

Wenn wir permanent im Standby Modus sind und unser Arbeitsspeicher, also unser Gehirn auf Hochtouren rattert, kann das nicht ohne Folgen bleiben. Die ersten sichtbaren Auswirkungen sind beispielsweise das Vergessen von Terminen und Besorgungen. Arzttermine verpasst, zum Kindergartenfest zu spät, Geburtstage vergessen, Kinderkleidung sind zu klein, Schuhe passen nicht mehr, der Senf zum Abendbrot ist leer, die Rosinen zum Frühstück, bis hin zu weinenden Kindern, weil sie die einzigen sind, die ohne Kostüm zur Geburtstagsfeier erscheinen.

Auch in der Partnerschaft ist Mental Load oftmals die heimliche Ursache von Missverständnissen und Unzufriedenheit. Wir Frauen verstehen beispielsweise nicht warum unser Partner, wenn er nach dem Essen den Tisch abräumt „nur“ den Tisch abräumt. Und unsere Partner verstehen nicht warum bei uns Tisch abräumen auch mal eine halbe Stunde dauern kann.

Wenn wir Frauen diese Aufgabe erledigen, fällt uns beim Einräumen des Kühlschranks auf, das die Butter fast leer ist und somit schnell auf dem Einkaufszettel notiert werden muss. Der dreckige Latz des kleinen Herzbuben wird in den Wäschekorb gesteckt und dabei bemerken wir, dass dieser bereits randvoll ist. Also springen wir schnell in die Waschküche und stelle eine Maschine an. Dort sehen wir, dass die andere Wäsche im Trockner fertig ist, leeren das Wasser aus und reinigen das Flusensieb. Zurück am Esstisch fällt uns ein, dass der Hochstuhl des großen Herzbuben dringend verstellt werden muss… und plötzlich ist die halbe Stunde vorbei. Unsere Männer hingegen räumen den Tisch ab. Genau so wie sie es eben gesagt haben.

Versteh mich nicht falsch, für mich ist es wichtig beide Vorgehensweise hier völlig wertfrei so stehen zu lassen. Sie sind aber eben unterschiedlich und können leicht zu Missverständnissen führen.

 

Auch beruflich spüren wir die Auswirkungen

Beruflich lässt uns der Mental Load ebenfalls nicht los. Wer von uns kommt nicht sofort in Schwitzen und geht gedanklich den Worstcase durch, wenn die Morgenroutine mit den Kindern mal nicht so läuft wie geplant und wir genau wissen, dass wir ausgerechnet an diesem Morgen einen wichtigen Abgabetermin im Büro haben. Kunden springen ab, die Anerkennung des Chefs bleibt aus, das Verständnis der Kollegen fehlt.

Wir rackern uns ab, beim bewältigen aller Aufgaben, unser Hirn läuft auf Hochtouren und trotz allem müssen wir feststellen, dass wir nicht alle Bälle gleichzeitig in der Luft halten können.

Das Resultat davon, ist: Wir fühlen uns ausgelaugt, überlastet, gestresst, ohnmächtig und sind extrem schnell reizbar! Ich könnte diese Reihe endlos fortführen. Hinzu kommt, dass wir abends nicht abschalten können und schlecht einschlafen. Denn erst im Bett liegend haben wir die Ruhe noch mal in Gedanken alles durchzugehen und hoffen nichts vergessen zu haben.

Obwohl wir als Familien CEO das Zepter in der Hand halten, fühlen wir uns eher getrieben und fremdgesteuert. Unser Mental Load hat uns fest im Griff. Manchmal frage ich mich, wann ich das letzte Mal bewusst etwas aus eigenem Antrieb heraus entschieden und nur für mich getan habe. Definitiv viel zu selten.

Wie geht es weiter?

Es ist an der Zeit, unseren Mama Mental Load zu diskutieren, mit unserem Partner, um Erleichterung zu bekommen, mit den Freundinnen um zu erkennen dass wir nicht alleine dastehen und mit allen Mamas da draußen um uns auszutauschen und gemeinsam daran arbeiten Goodbye Mental Load und Welcome MentalUNload zu sagen.

Bist auch du dabei? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar und schreibe mir deine Erfahrungen zu Mental Load.

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